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Wettbewerb oder doch lieber regulärer Unterricht?
Viele Eltern wollen, dass ihr Kind gut ein Instrument spielt, viele träumen sogar von einer Musikerkarriere für ihre Kinder. Eltern fragen uns, ob wir ein Kind zu Wettbewerben vorbereiten können. Die Antwort ist natürlich „Ja“, aber wir raten grundsätzlich den meisten Eltern von den Wettbewerben in frühen Jahren ab. Sicherlich ist ein Wettbewerb an sich nichts schlimmes, und viele Kinder und Jugendliche brauchen ein Ziel, wofür sie üben können. Sicherlich mitiviert es viele Kinder nach einem gewonnenen Wettbewerb weiter zu üben. Das sind die Argumente für eine Teilnahme an Kinder- Wettbewerben. Leider gibt es viele negative Argumente, mit denen ich mich in diesem Betrag auseinander setzten werde.
Um gezielt auf diese häufige und wichtige Frage anzugehen bin ich auf die Idee gekommen einen kleinen Beitrag darüber zu schreiben und bin dabei auf einen Artikel zu diesem Thema aus der Musikzeitschrift „Das Orchester“ gestoßen. Einen kleinen Ausschnitt daraus finden Sie weiter unten.
In unserer Musikschule Intermezzo streben wir nicht danach alle Kinder zu Musikwettbewerben vorzubereiten, und mehrere Preisträger zu „dressieren“, wie vielleicht in vielen anderen privaten oder staatlichen Musikschulen in Deutschland oft der Fall ist. Wir versuchen unseren Schülern in erster Linie die Musik zu lieben und zu verstehen beizubringen. Im langjährigen Unterricht bringen wir unseren Schülern nach und nach die musikalische, theoretische und praktische
Kenntnisse am Instrument bei, damit später, (nach eigenem Wunsch), eine Berufsmusikerkarriere angetreten werden kann.
Wenn man sich in jungen Jahren dauernd auf Wettbewerbe vorbereitet, und meistens nur die dafür vorgesehene Repertoire mehrere Monate lang übt, verliert man die kostbare Zeit, um bestimmte Prozesse, Kenntnisse und Abläufe zu erlernen. Ohne die kommt man später nicht an eine
Musikhochschule, ohne diese Kenntnisse wird man kein Berufsmusiker.
Vielen jungen „Wunderkindern“ fehlt heute nicht nur an technischer Perfektion, sonder in erster Linie ist die musikalische Aussage und persönliche Überzeugungskraft gar nicht vorhanden.
Man erlebt einen „dressierten“ Schüler, der völlig im Unklarem darüber ist, was er spielt. Oft erleben wir bei solchen Kindern, dass sie meistens drei oder vier Stücke „perfekt“ auswendig spielen können,
aber die einfachsten Stücke nicht vom Blatt abspielen können, dass die grundlegenden Kenntnisse, die man in den ersten zwei Jahren in der Musikausbildung bekommen sollte, einfach nicht da sind.
Zu einem regulären Unterricht in jedem Instrument gehören Musikwerke aus verschiedenen Epochen, sowie technische Übungen und Einblicke in die Musiktheorie. An dieser Zusammenstellung lernt man verschiedene Musikstile kennen, entwickelt die Motorik und erfährt, nach welchen Gesetzen die Musik komponiert ist. An den Stücken aus der Epoche der Romantik lernen Kinder Ihre Emotionen kennen, und sie bewusst auf dem Instrument wiederzugeben. Es wird dabei viel an dem Klang gearbeitet. Währen die Schüler die Stücke aus der Klassik-Epoche üben, erfahren sie, wie eine Sonate aufgebaut ist, lernen verschiednen musikalische Formen kennen, sowie lernen unterschiedliche Anschlagsarten kennen. Bei den Stücken aus dem barocken Zeitalter lernen die Kinder die Mehrstimmigkeit kennen, polyphonische Musik hilft ihnen
nicht nur in der Welt der Musik sich besser zurechtzufinden, sondern auch in den anderen Lebensbereichen sich besser zurecht zu finden. Bei den Etüden bewältigen die Kinder ihre spezifische technische Probleme. Ihre feinmotorischen Fähigkeiten verbessern sich dadurch.
Oft erleben wir, dass bei den Vorbereitungen zum Wettbewerb der normale Unterricht nicht durchzuführen ist. Man fixiert sich auf zwei, max. drei Stücke. Oft sind es moderne Kompositionen, die Schüler in ihrer musikalischen Entwicklung nicht weiterbringen, sondern nur das Gedächtnis strapazieren. Als Resultat kommt eine Urkunde und verlorene Zeit, die man nicht zurückgewinnen kann.
„ Am Instrument hat er nicht mehr viel zu lernen. Was dem Kind fehlt, ist Bildung“ , sagte ein Mal der berühmte Komponist Felix Mendelssohn zu den Eltern eines „Wunderkindes“.
Unsere Empfehlung an viele Eltern deshalb: lassen Sie zuerst Ihr Kind eine richtige Musikausbildung absolvieren, damit er später (ab ca.14-15 Jahren), wenn der starke Wunsch besteht, zu Musik- Wettbewerben fahren kann.
Zum Schluss der versprochene Ausschnitt aus dem Artikel von Hans Günther Bastian und Martin Koch „Das Orchester 11/2006)
„Karrieretraum und Traumkarriere“
...“ Eine „hochbegabte“ Flötistin gibt trotz mehrfacher Preise im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Alter von 21 Jahren auf, weil Ihre Intonation, ihr Gehör und ihre rhythmische Fähigkeiten
für das Studium der Orchestermusik als nicht ausreichend bewertet wurden. Dabei hatte sie von einer Solokarriere geträumt. Seitdem ruht die Querflöte unberührt in einer Schublade. Derart späte Erfahrungen und harte Einsichten lösen geradezu musikalische Schockerlebnisse aus.“...“ Fazit: Eine frühe Glanzkarriere bei „Jugend musiziert“ ist kein Garant für ein erfolgreiches Berufsmusizieren“
Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag einige Bedenken und Fragen beantwortet habe.
Ihre Ella Pruzhanskaya
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